The Who’s Tommy

The Who galten lange als die Rockrüpel ihrer Generation. Sie erfanden das Instrumente-Zerstören auf der Bühne und das Demolieren von Hotelzimmern, lange bevor es salonfähig wurde. Ich weiß nicht, ob das nur eine „urban legend“ ist, aber Keith Moon soll einmal in einem goldenen Pyjama durch LA gefahren sein, nur um Polizisten aus seinem Rolls Royce mit Pampelmusen zu bewerfen. Es ist nur ein Gerücht, dass Moon ein Auto im Pool eines Holiday Inn Hotels versenkte. Auf der Flucht vor der Polizei rutschte er auf seinem Geburtstagskuchen aus und schlug sich einen Vorderzahn aus.

Ich kann es nicht leugnen, ich bin ein Fan von The Who. Es hängt ein großes Schwarz-weiß-Poster in meinem Zimmer und ich liebe ihre Musik. In meiner Plattensammlung versteckt sich das eine oder andere Album. Und genau aus diesem Grund war ich letzten Donnerstag im Deutschen Theater, um mir die Premiere von The Who’s Tommy anzusehen.

© Bobby Anders

© Bobby Anders

Tommy ist eine Rock Oper, die zunächst 1969 als Konzeptalbum veröffentlicht wurde. Schon 1966 hatte Pete Townshend, der kreative Kopf der Band, erste Ideen. Auch der Name Tommy war nicht von Anfang an klar. Es standen noch andere Varianten zur Auswahl, wie „Deaf, Dumb and Blind Boy“, „Amazing Journey“, oder „Brain Opera“.

Nach dem Album wurde Tommy 1975 verfilmt. Roger Daltrey, Sänger von The Who, spielt den Hauptdarsteller Tommy Walker. Der Film wurde unter anderem auch so erfolgreich, da er ein großes Staraufgebot zu bieten hat. Tina Turner, Elton John, Eric Clapton und Jack Nicholson spielen mit. Mit dem Film wurde der Soundtrack herausgebracht. Viele halten diesen für noch besser als das Album, da sich die Aufnahmemöglichkeiten verbessert hatten und weiterentwickelt wurden. Auch die Songs selber wurden durch das Mitwirken der anderen Musiker neu interpretiert und aufgenommen.

Doch der Film ist nicht das Ende der Entwicklung von Tommy. Denn es gab auch noch das Musical. Ungefähr zur selben Zeit wie der Film wurde in Großbritannien versucht, Tommy auf die Bühnen zu bringen. Diese Versuche scheiterten, bis 1993 Pete Townshend und der Broadwayautor und Regisseur Des McAnoff eine Musicalfassung erarbeiteten. Die Premiere von Tommy war in New York und wurde in vielen Städten mit großem Erfolg aufgeführt. Nun wird das Musical auch bei uns in München gespielt. Und zwar im Deutschen Theater mit einer Neuinterpretation vom English Theatre Frankfurt. Ich persönlich fands richtig klasse und hatte einen tollen Abend dort. Ich war sogar auf der Premiere und habe das Blitzlichtgewitter live und in Farbe gesehen. Das war auch einmal eine Erfahrung für sich.

© Deutsches Theater München

© Deutsches Theater München

Nun aber zu der Geschichte von Tommy, worum geht es denn da überhaupt? Hauptfigur ist wie gesagt Tommy Walker, acht Jahre alt. In London, seiner Heimat herrscht Krieg. Als sein Vater heimkehrt und den Geliebten seiner Mutter ermordet, muss Tommy zusehen. Seine Eltern machen ihm klar, dass er weder etwas gesehen, noch gehört hat. Geschweige denn, dass er über das Erlebte sprechen darf. So traumatisiert zieht sich der Junge vollkommen in sein Innerstes zurück und wird blind, stumm und taub.

Seine Eltern schleppen ihn von nun an von einem Wunderheiler zum Nächsten. Tommy bleibt nichts erspart. Psychiater und Drogenköniginnen treiben ihre Experimente mit ihm. Als Tommy dann auch noch von einem Familienmitglied misshandelt wird, ist man als Zuschauer schon am Rande des Erträglichen. Die einzigen Dinge, die Tommy noch in der Wirklichkeit halten ist ein Spiegel und er entdeckt den Flipper-Automaten für sich und bringt das Flippern zur wahren Meisterschaft.

Mrs Walker, Tommys Mutter ist zwischenzeitlich am Ende mit ihren Nerven und zerschmettert schlussendlich den Spiegel, vor dem Tommy so viel Zeit verbringt. Dieses Erlebnis holt Tommy zurück und er kann wieder sehen, hören und sprechen. Er ist endlich frei.

In einem Turnier schlägt er den derzeitigen Flipperkönig und wird der von allen gefeierte „Pinball Wizard“. Das Zusammenspiel seiner Wunderheilung und dem sensationellen Flipperspiel lassen ihn zu einer Art Messias aufsteigen. Er vereint eine Schar von Jüngern um sich, die sich in einem religiösen Wahn befinden, ihm jedoch keine wirklich Zuneigung entgegenbringen, sondern ihn doch nur benutzen. In letzter Konsequenz verstoßen sie Tommy und wenden sich gegen ihn. Nun befinden wir uns fast am Schluss der Handlung, doch das Ende wird nicht verraten…

Das Besondere an Tommy sind natürlich die aussdrucksstarken Lieder von The Who. Wer kennt nicht den Superhit “Pinball Wizard”. Die Musik ist einfach genial. Sie stand ja von Anfang im Mittelpunkt. In “See me, Feel me” wird all das Leiden von Tommy in einen berührenden Klang gekleidet. Gänsehautfeeling pur. Mein persönliches Lieblingslied ist “I’m free”. Der Song ist so voller Leben und Aufbruch. Es wird geschrubbt, gesungen und gerockt…

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Über den Autor

Laura: Ich bin gerade erst nach München gezogen und bin total überwältigt vom kulturellen Angebot in dieser wunderschönen Stadt. Ich arbeite seit Februar 2012 im Marketing und im Bereich Social Media. Ich finde die neuen Medien richtig spannend und freue mich hier bei Kulturgipfel mit der Zeit zu gehen und die Möglichkeiten des web 2.0 kennenzulernen. Ich habe die letzten vier Jahre in Erlangen verbracht und dort Germanistik und Computerlinguistik studiert. Die Mischung aus geisteswissenschaftlichen und technischen Themen fand ich schon in meinem Studium sehr interessant und kann das hier problemlos weiterführen.