Viele Leute drängen sich um die kleinen Zeichnungen an den Wänden. Manchmal, wenn ich eine Lücke sehe, eile ich hin, damit ich einen uneingeschränkten Blick auf eine der Skizzen bekomme. Es ist ziemlich voll am Sonntagnachmittag in der Pinakothek der Moderne. Das liegt natürlich auch an dem unschlagbaren Preis von 1 Euro, den alle Besucher sonntags in den Pinakotheken zahlen. (Ich als Kunstgeschichtestudentin darf sogar umsonst rein!) So sind auch viele Kinder hier, die von ihren Müttern und Vätern etwas über Kunst erzählt bekommen. Ich erinnere mich an meine eigene Kindheit, wenn ich mit meinem Vater sonntags im Museum war, und er unermüdlich, leider oft erfolglos versuchte, mir unvergleichliche Kunstschätze näherzubringen. Heute hingegen gehe ich freiwillig in Ausstellungen… (die Mühe meines Vaters war also vielleicht doch nicht so erfolglos!)
Diese hier heißt „Zeichner in Rom 1550 – 1700“ und zeigt viele Schätze aus der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Tatsächlich ist man erstaunt ob der Fülle an wunderbaren Zeichnungen und Skizzen, die hier an den Wänden hängt. Zuerst kommt man an Skizzen u.a. von Federico Zuccari entlang, der seinerzeit die Accademia di San Luca in Rom gründete, der auch Gianlorenzo Bernini als Präsident vorstand. Von diesem stammt eine männliche Aktzeichnung im zweiten Raum. Bernini, der als Bildhauer und Architekt z.B. den berühmten Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona in Rom schuf, hat hier mit wenigen schwarzen Kreidestrichen einen muskulösen Körper modelliert. Von diesem Werk eines Meisters wandere ich weiter und sehe mir Landschaften, Aktstudien und Architekturen an.
Schließlich bleibe ich vor einer Serie kleiner Porträts stehen. Die Menschen darauf scheinen alle den gleichen Gesichtsausdruck zu haben. Doch beim „Brustbild einer Dame“ von 1625 bleibt mein Blick unweigerlich ein bisschen länger hängen. Das Mädchen darauf könnte so alt wie ich sein. Sie lächelt ganz leicht und sieht den Betrachter aufmerksam und selbstbewusst an…
Während ich bei den Schließfächern meinen Mantel anziehe und wieder raus in die Kälte gehe, erliege ich der Versuchung und überlege ein bisschen, wie dieses römische Mädchen wohl war, dass vor über 400 Jahren geboren wurde und auf dieser kleinen Zeichnung nun in einem Museum hängt…
Nach diesem beeindruckenden Sonntag-Nachmittag nehme ich mir vor wieder öfter in eine Ausstellung gehen, z.B. im März. Da präsentiert nämlich die Galerie Burger eine Ausstellung im oberen Foyer der Kultursäle von Schloss Nymphenburg, mit zeitgenössischen Werken europäischer Künstler mit dem Titel BILDWELTEN.
Der Bogen reicht von gestisch bewegtem Duktus, über fotografisch genauem Realismus, bis zu einer nahezu abstrahierten Formensprache. Alle Werke lassen Raum für die individuellen Assoziationen des Betrachters. Nicht zuletzt sind es unsere eigenen Geschichten, die wir dort finden. Jede gute Bilderzählung führt uns mit unserem Blick und unserem Erinnerungsgepäck in vertraute und unbekannte Welten zugleich. Denn Bilder sind die Seele eines Raumes.
Lassen Sie sich in den Konzertpausen der Nymphenburger Schlosskonzerte inspirieren !
Ausstellungstermine 2012:
Schloss Nymphenburg: 24.03., 08.04., 21.04., 28.04.
Schloss Schleißheim: 30.06.
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