Mahler: Symphonie Nr. 1 & Korngold: Violinkonzert D-Dur

Dirigentenwunder Yoel Gamzou mit der Neuen Philharmonie München im Herkulessaal
Dirigentenwunder wird er genannt, Senkrechtstarter oder Mahler-Experte: Das Münchner Konzertpublikum darf gespannt sein auf Yoel Gamzou, der am 19. März im Herkulessaal dirigiert. Der 24 (!) jährige Dirigent aus Israel, der 2010 bereits mit seiner Vollendung von Mahlers “Zehnter” grosses Aufsehen in der Musikwelt erregte, widmet sich nun der ersten Symphonie seines Lieblings-Komponisten.
Yoel Gamzou dirigiert die neue Philharmonie München, eines der meist beachteten Jugendorchester im Münchner Raum. Gamzou wird schon heute mit Stars wie Sir Simon Rattle in einem Atemzug genannt. Den Part der Solovioline übernimmt Guy Braunstein, erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker und Mitglied des West Eastern Divan Orchestra.

Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert: Kino für die Ohren!
Eröffnet wird der Konzertabend mit dem Violinkonzert in D-Dur op. 35 von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957). Der österreichisch-amerikanische Komponist war seinerzeit – neben Richard Strauss – der meistgespielte Opernkomponist Österreichs und Deutschlands. In Hollywood setzte er neue Maßstäbe in dem damals noch jungen Filmmusik-Genre. Zu seinen bekanntesten Kompositionen zählt die Oper „Die tote Stadt“ aus dem Jahr 1920.
In seinem Violinkonzert in D-Dur op. 35 von 1945 verarbeitet Korngold in allen drei Sätzen Themen aus seinen Filmmusk-Partituren. Das sehr romantische und lyrische Violinkonzert erweist sich damit als eine sehr nostalgische, quasi-filmmusikalische Wanderung und eine Art Hommage an die Jahre in Hollywood. Im Finalsatz des Konzerts zitiert Korngold z.B. die Hauptmelodie aus der 1937 entstandenen Hollywood-Produktion “Der Prinz und der Bettelknabe”, angelegt als eine Folge von Variationen über ein volkstümlich und rustikal wirkendes Thema.
Doch das Violinkonzert leitete auch gleichzeitig eine neue Schaffensphase des Komponisten ein: Korngold wandte sich, wieder zurück in Europa, von der Filmmusik ab und begann wieder „absolute“ Musik in den traditionellen Gattungen zu komponieren. “Zuerst war ich ein Wunderkind, dann ein erfolgreicher Opernkomponist in Europa und dann ein Filmmusikkomponist. Ich glaube, dass ich jetzt eine Entscheidung treffen muss, wenn ich nicht für den Rest meines Lebens ein Hollywoodkomponist bleiben will” – mit diesen Worten umschrieb Korngold seinen musikalischen Wendepunkt.
Korngolds Konzert für Violine und Orchester D-dur op. 35 ist Alma Mahler-Werfel, die Witwe Gustav Mahlers gewidmet. Sie war eine langjährige Freundin der Familie und mit zum Künstlerkreis im kalifornischen Exil gehört hatte. Womit sich die Zusammenstellung dieser beiden Werke zu einem Konzertprogramm erklärt.


Gustav Mahler: 1. Symphonie
Im zweiten Teil des Konzerts erwartet das Publikum mit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1 ebenfalls eine großartige Komposition, die 1988 entstanden ist. Mahler hat die Anregung der Symphonie und einiges des thematischen Stoffs den „Liedern eines fahrenden Gesellen“ entnommen, wodurch verschiedene volkstümliche Melodien mit in die Komposition eingeflossen sind. Ein Hauch von Melancholie und schmerzlicher Schönheit durchzieht diese Symphonie. Der ganze unverwechselbare Mahler’sche Tonfall ist bereits hier voll ausgebildet. Mahler war sich bewusst, mit seiner Musik völliges Neuland zu beschreiten. So trägt dieses frühe Werk bereits viele Elemente der typisch Mahlerschen Musiksprache in sich, so etwa die ironische Verfremdung oder die collagenartige Schichtung von Motiven – dabei war Mahler gerade einmal 28 Jahren als er die Symphonie geschrieben hat.
Dass sich Mahler der Neuartigkeit seiner ersten symphonischen Komposition durchaus bewusst war und sich intensiv darum bemühte, sie für das Publikum zugänglich zu machen, bezeugen die zahlreichen Änderungen und Umgestaltungen des Werkes nach der Uraufführung. So entschied er sich im Laufe der 1890er Jahre zu verschiedenen Streichungen, nahm zahlreiche Instrumentationsretuschen vor und griff auch in die musikalische Struktur des ausdrucksgeladenen Final-Satzes ein. Dennoch ist die Kompositions-Struktur für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich, so setzt z.B. im ersten Satz nach einer ausgedehnten, langsamen Einleitung die Exposition ein, die entgegen den Regeln für die Anlage des Sonatenhauptsatzes nur ein einziges Thema behandelt, das Mahler seinem Lied „Ging heut Morgen übers Feld“ aus dem Zyklus der „Lieder eines fahrenden Gesellen“ entlehnt hat. Die sich anschließende Durchführung bietet sich ebenso wenig regelgerecht dar, und verarbeitet eher Motive der Einleitung als der Exposition.
Oder der dritte Satz: Er beginnt mit einer zum Trauermarsch verfremdeten Bearbeitung des Volksliedes „Bruder Martin“, eine in Moll verkehrte Variante des Kanons „Frère Jacques“. Der Satz enthält jedoch auch aus der jüdischen Musikwelt entlehnte klezmerartige Szenen, die in die Symphonie eingebunden werden. Mahlers 1. ist in jedem Fall ein Werk, das auch für heutige Ohren noch sehr besonders ist!

Konzert in München
Die Neue Philharmonie München bringt am 19. März im Herkulessaal beide Werke gleichermaßen zum Strahlen! Denn der Mahler-Experte Yoel Gamzou schafft es nicht nur, durch sein leidenschaftliches Dirigat die Feinheit und Komplexität der Symphonie herauszuarbeiten, sondern bringt mit seinem jungen Orchester und dem virtuosen Solisten Guy Braunstein auch die musikalische Sprache Korngolds zum Klingen: leicht eingängig, hoch romantisch – und stets erstklassig. Eine Werkeinführung mit Yoel Gamzou beginnt um 19:00 Uhr.

Karten für das Konzert von Mahler und Korngold im Herkulessaal in der Münchner Residenz am  Samstag, den 19. März 2012 um 20:00 Uhr gibt es bei Kulturgipfel.

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Über den Autor

Rebekka Paas: Seit März 2010 bin ich bei Kulturgipfel und betreue schwerpunktmäßig die Social Media Aktivitäten. Gerade im Kulturbereich wird ja gerne noch Post per Brieftaube verschickt. Kulturgipfel ist anders. Wir wollen am Puls der Zeit sein, deswegen schreckt uns das Web 2.0 nicht ab, sondern ist eins unserer wichtigsten Kommunikationsmittel, um direkten Kontakt zu unseren Kunden zu pflegen. Als gebürtige Rheinländerin bin ich bereits zum Studium in Bayern gelandet (Bayreuth: Theater-, Musik- und Literaturwissenschaft) und lebe nun als Wahl-Münchnerin in der vielleicht schönsten Stadt der Welt ;-) . Mit meinen Artikeln will ich Ihnen alles Wichtige und Interessante rund um unsere Konzerte näher bringen, mit Ihnen in einen Dialog kommen und Ihnen mal wieder Lust auf Kultur machen.