fastfood theater goes Volkstheater

Mit dem Ensemble des Improvisations-Theaters fastfood beheimatet München eines der erfolgreichsten Impro-Theater Deutschlands. kulturblogmuenchen traf den Leiter Andreas Wolf während den Proben zur neusten Premiere “Volksimprotheater”. (15.4. / 16.4.11 Gut Nederling)
Lieber Herr Wolf, Sie leiten das Fastfood-Theater, sind aber nicht in der Gastronomie tätig. Was kann man sich unter Ihrem Fastfood vorstellen?

Andreas Wolf; Foto: Jan Frommel

“Theater. Speziell: Improvisationstheater.  Der Name Fastfood Theater entstand zu der Zeit, als wir als Studenten anfingen und unsere Sekretärin im Institut für Theaterwissenschaft  erklärte, was wir denn machen würden.  Und da  sagte sie: “Das ist ja wie Fastfood Theater”.  So entstand unser Name  in Abgrenzung zum herkömmlichen Theater.”

Mir sind Ihre wunderbaren Aufführungen noch aus der Zeit kurz nach dem Studium bekannt. Haben Sie einmal nachgezählt wieviele Aufführungen Sie mittlerweile gemacht haben?

“In der Uni in München haben wir 1992 angefangen und bekamen dann schon bald im Theater Heppel&Ettlich in Schwabing die Chance den spielfreien Montag zu bespielen. Plötzlich bekam diese Show eine eigene Dynamik und schon bald war der spielfreie Montag der Tag unserer “Montagsshow”, die wir seitdem jeden Montag spielen. Nächstes Jahr feiern wir nicht nur unser 20jähriges Bestehen, sondern auch unsere 1000ste Montagsshow. Damit sind wir die wahrscheinlich erfolgreichste Bühnenshow in München!  Außerdem spielen wir Gastspiele und waren nicht nur in ganz Deutschland unterwegs, sondern haben auch für das Goethe Institut in zahlreichen Ländern gespielt: U.a. Brasilien, Polen, Italien, Frankeich… Wieviele Auftritte das alles zusammen sind, würde eine Menge Arbeit sein diese zusammen zu zählen. Aber wenn man die Auftritte bei Galas und für Firmen dazuzählt werden es sicher an die 4000 sein.”

Wie wird man eigentlich Improvisations-Schauspieler? Waren Sie auf einer Impro-Schule, welche Ausbildung haben Sie gemacht?

“Die Gründer des Fastfood Theaters waren alle Studenten an der LMU. Später kamen auch ausgebildete Schauspieler dazu. In unserer Gruppe haben wir darauf geachtet immer wieder Fortbildungen mit Improprofis und Schauspiellehrern zu machen, die optimal zu unserer Arbeit passen. Auf diese Art und Weise habe ich neben meinem akademischen Abschluss auch eine breite künstlerische Ausbildung bei einer Reihe ganz hervorragender Lehrer genossen. Der Weg zum Improspieler kann deshalb ganz unterschiedlich sein: Sowohl über die Schauspielerei, als auch über die Fähigkeit aus dem Stegreif Geschichten zu erzählen und diese auf der Bühne umzusetzen ohne eine fertige Berufsausbildung zu haben. Wir bilden mittlerweile keine Improspieler mehr für uns selber aus, sondern suchen bereits erfahrene Profis.  Wer also Improspieler werden will, sollte sich entweder einer der vielen Improgruppen anschließen oder, wenn er bereits Erfahrung hat, sich bei uns melden.”

Ist das, was Sie machen erlernbar? Und gibt es Parallelen zu einer herkömmlichen Schauspielschule?

“Wir selber haben 1994 eine Improschule gegründet weil wir Improvisation für erlernbar halten. Natürlich bringt jeder individuell  unterschiedliche Talente mit. Doch erlernbar ist es vor allem deshalb, weil  die Prozesse im Kopf bereits alle angelegt sind  und deshalb nur noch erkannt werden müssen.  Überwunden werden müssen Grenzen und Schranken des Alltags.  Das ist der Grund, warum es außer in den bühnentechnischen Fächern nicht wirklich mit einer Schauspielschule vergleichbar ist.”

Ihr neustes Projekt „Volksimprotheater“ (Premiere am 15.4., 20.00 Gut Nederling, 2. Veranstaltung: 16.4.11) befasst sich mit dem Bayerischen. Ist das auch etwas für Niedersachsen, wie mich?

Volksimprotheater; Rechte: Franz Kimmel

“Unbedingt! Migranten aller Art sind eingeladen die Spontaneität kennenzulernen, die dem Bayrischen innewohnt, bis hin zu seinen valentinesken Absurditäten, auch wenn dies jenseits des Weißwurstäquators noch nicht so bekannt geworden ist. Sprachlich wird das Bayrische für alle Ausländer stark zugunsten eines verständlichen Deutsch geglättet.”

Haben Sie die eine oder andere Veranstaltung, die Sie besonders empfehlen können?

“Ja, neben den genannten Veranstaltungen Volksimprotheater auf Gut Nederling steht der Improcup im Schlachthof ganz oben auf der Liste. Hier entscheidet das Publikum, welches Team weiter kommt. Nächstes Halbfinale am 30. April und Finale am 28. Mai. mehr unter www.improcup.de”

Bitte lehnen Sie sich zurück, Sie haben drei Wünsche frei …


“1. Mehr Menschen die ins (Impro)Theater gehen oder die überhaupt rausgehen.
2. Mehr Menschen, die keine Angst vor Spontanität haben.
3. Weniger Menschen die Hunger haben.”

Weitere Infos: www.fastfood –theater.de buchbar auch über www.kulturgipfel.de

Über den Autor

Jochen Gnauert, ist seit 2002 Geschäftsführer der Kulturgipfel GmbH. Nach seinem Studium der Theaterwissenschaft war er jahrelang Musiktheater-Regisseur, bevor er seit 2000 als Kulturveranstalter tätig wurde.