Eine musikalische Vision beim DOK.fest 2012

Das DOK.fest 2012

Vom 02. Bis 09. Mai findet das 27. Internationale Dokumentarfilmfestival München statt. Das Festival beschäftigt sich seit 1985 mit gesellschaftlich relevanten und künstlerisch wertvollen Dokumentarfilmen und arbeitet an einer möglichst großen Breitenwirkung für künstlerische Dokumentarfilme. Dieses Jahr werden über 100 Filme aus 38 verschiedenen Ländern gezeigt.

In Zusammenarbeit mit dem Verein ‘Filmstadt München’ und zahlreichen Sponsoren wuchs die Zahl der Filme von den ersten bescheidenen Anfängen 1985 auf rund 200 Filme beim 16. Internationalen Dokumentarfilmfestival 2001. Seit 2002 firmiert das Festival unter dem Markennamen DOK.fest. 2009 hat der neue Leiter, Daniel Sponsel, das Festival mit verschiedenen Reihen erweitert.

DOK.education: Seit drei Jahren gibt es ein eigenes Programm für Kinder und Jugendliche. In der sogenannten Dokumentarfilmschule werden dokumentarische Kurzfilme gezeigt, und nach der Vorführung ausführlich besprochen. Außerdem haben die Schüler hier die Möglichkeit hinterher die Filmemacher zu befragen.

DOK.tour: Im Zuge der DOK.tour werden vier herausragende Dokumentarfilme aus dem aktuellen DOK.fest Programm bayernweit im Kino präsentiert.

DOK.guest: Diese Reihe präsentiert in diesem Jahr Filme aus und über den arabischen Raum, die sich mit den politischen Umwälzungen in der Region befassen.

DOK.forum: Das DOK.forum München beschäftigt sich zeitgleich zum Programm des DOK.fest mit anwesenden Autoren, Redakteuren, Produzenten und Verleihern. Publikumsnah werden hier die aktuell relevanten Themen (zum Beispiel „Musik im Dokumentarfilm“ oder „Die Zukunft der TV-Doku“) dokumentarischer Arbeit diskutiert.

Gozaran – Time Passing

Der Film “Gozaran – Time Passing” erzählt die Geschichte eines deutsch-iranischen Orchesters und ihres Leiters, dem Komponisten und Dirigenten Nader Mashayehi. Mashayehi wird 1958 in Teheran geboren. Nach einer Ausbildung in Klavier und Tonsatz am Teheraner Konservatorium zieht er nach Wien, um dort an der Musikhochschule zu studieren.

Nach 30 Jahren kehrt der Iraner zurück nach Teheran, um dort ein Orchester (Tehran Philharmonic Orchestra) aufzubauen, welches sich den maßgeblichen europäischen Werken annähert.

„Ich kam zurück mit nur einem Koffer. In diesem Koffer war nur eine Sache. Der Traum, in meiner Heimatstadt Musik zu machen.“

Er begeistert junge persische Musiker für Bach und Mahler oder für die experimentelle Musik von John Cage. Mashayehi hat die Idee, eine neue Art von Musik in einen geschlossenen Kulturkreis zu bringen. Er möchte den persischen Musikern in einer Gesellschaft, in der es schwer ist seine Gefühle auszudrücken, die Hoffnung vermitteln, dass Musik und musikalischer Ausdruck nicht verboten werden können.

In dem Film kann der Aufbau des Orchesters von Anfang an mitverfolgt werden. Die Aufnahmeprüfung, das private Üben am Instrument und verschiedenste Proben werden dokumentiert. Der Zuschauer erlebt die Musiker, wenn Mashayehi ihnen die Energie Mahlers nahe bringt. In Nahaufnahmen und Einzelinterviews werden die attraktiven persischen Frauen in ihren schwarzen Kopftüchern gezeigt, die den Unterricht gespannt aufsaugen und gemeinsam ihren Traum leben.

Der Film zeigt neben dem Orchester auch immer wieder Landschaftsaufnahmen von Teheran und persische Einheimische. Unterlegt mit traditioneller persischer Musik bekommt man so den Einblick in eine ganz andere Kultur.

„Man muss die Stille kennen, um Musik hören zu können“, sagt Nader Mashayehi. Das schafft der Film, in dem man den Dirigenten zwischen den musikalischen Szenen, still durch die persische Wüste gehen oder in einem Park sitzen sieht. Als Zuschauer lauscht man dadurch viel intensiver der Musik.

2009 wird Mashayehis Traum durch die Wahlen und die Niederschlagung der Demokratiebewegung zerstört und er flieht zurück nach Wien. Trotz des Scheiterns haben Orchestermitglieder gelernt, sich durch Musik auszudrücken und auch Nader Mashayehi hat den festen Entschluss, eines Tages nach Teheran zurückzukehren und vielleicht seine Vision dort fortzuführen.

Der niederländische Regisseur Frank Scheffer kreiert einen anrührenden Film mit tollen Landschaftsaufnahmen, der einen Einblick in eine andere musikalische Kultur schafft  und die Vision von Nader Mashayehi verdeutlicht.

Das DOK.fest läuft noch bis zum 09.Mai und auch „Gozaran – Time Passing“ ist noch einmal am 08.Mai um 21:00 Uhr im Gasteig zu sehen.

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Über den Autor

Pina: In einer Künstlerfamilie aufgewachsen, wurde mir ein Interesse an Kultur bereits in die Wiege gelegt. Besonders die Musik hat schon immer eine sehr wichtige Rolle für mich gespielt und so habe ich mich entschlossen meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Nach meinem Bachelor in Musikmanagement möchte ich nun für Kulturgipfel als „rasende Reporterin“ Münchens Straßen nach neuen, spannenden Themen durchstöbern. Hierbei nehme ich besonders Musikstudenten genauer unter die Lupe, werde „junge“ Veranstaltungen besuchen und Artikel für kulturinteressierte Studenten rund um Kulturberufe schreiben.