Die Spanier, die Portugiesen und wir mittendrin

Die Frisuren in der Oper sind so wie die Frisuren im Fußball. Ganz früher gab es in der Oper ja keine Frauen. Alle Rollen wurden nur von Männern gesungen, die dann natürlich in Frauenkleidern auf der Bühne standen. Trotz allem sprach niemand den Sängern ihre Männlichkeit ab. Bei unseren Fußballjungs ist es nicht anders. Die doch eher weibliche Frisurendiskussion ist zurzeit in aller Munde, nur übertroffen vom Fußballspiel selbst. Wie trägt wer seinen Schopf. Allen voran natürlich der Portugiese Christiano Ronaldo. Wer sich nicht alles schon über sein Haupthaar ausgelassen hat. Ich reihe mich nicht ein, zitiere jedoch Udo Walz: „Das ist eine glatte Zehn.“

Heute Abend ist es soweit. Das Halbfinale der Iberer. Spanien gegen Portugal. Die iberische Halbinsel weckt in uns Urlaubsgefühle und die Sehnsucht nach dem Temperament und der Leidenschaft der beiden Länder. Dieses Lebensgefühl, die mitreißenden Rhythmen, die temperamentvollen Flamenco-Tänzer mit ihrer feurigen Leidenschaft beeindrucken nicht nur heute, sondern fesselten die französischen Komponisten Georges Bizet und Maurice Ravel. Sie verfassten beide ein Werk ganz in der spanischen Tradition.

Maurice Ravel, in Frankreich geboren, jedoch mit spanischen Wurzeln, verfasste den weltberühmten Bolero. Entstanden ist das Werk 1928. Es ist der Tänzerin Ida Rubinstein gewidmet, als Musikstück in Form eines spanischen Balletts. Zuerst auch als Tanzstück uraufgeführt folgte erst später die konzertante Version. Immer noch lieben wir den Bolero, wie er uns mitreißt und begeistert. Ravel hingegen stand seinem Werk zeitlebens eher skeptisch gegenüber. Er sagte einst zu seinem Kollegen: „Ich habe nur ein Meisterwerk gemacht, das ist der Bolero; leider enthält er keine Musik.”

Georges Bizet
Georges Bizet

Nicht nur Ravel hat ein Meisterwerk geschaffen, auch Georges Bizet, sein Landsmann ist ein musikalischer Genius. Bizet war ein musikalisches Wunderkind. Sein wohl bekanntestes Werk ist die Oper Carmen. Die Geschichte um die rassige Zigeunerin Carmen und dem Hauptmann Don Jose ist ein wahrer Kassenschlager. Erst letztens besucht ich das Ballettstück Carmen von Goyo Montero in Nürnberg, in der die stolze Spanierin auf vier Rollen verteilt gespielt wurde. Jede Rolle stellte eine Charakterfacette Carmens dar. Es gab die Strenge, die Umgarnende und die Zerbrechliche Carmen. Als vierte Rolle gab es eine geheimnisvolle Ur-Version der Carmen, eine rassige Flamencotänzerin in vollem Ornat. Carmen ist universell, und von fast allen künstlerischen Medien abgearbeitet, sei es in der Oper, dem Ballett, der Literatur oder im Film.

Pablo Sarasate
Pablo Sarasate

Es geht sogar soweit, dass sich Pablo de Sarasate, spanischer Geiger und Komponist sich seine Carmen-Fantasie auf den Leib komponierte. Zeit seines Lebens war Sarasate als Solist auf Tournee und es wurden zahlreiche Werke nur für ihn komponiert. Er war einer der größten Geiger dieser Zeit. Seine Carmen Fantasie ist ein bemerkenswertes Stück und ist oft gesehener Gast in Violinwettbewerben, da es wegen der hohen technischen Ansprüche zu einem der schwierigsten Violinstücken gehört.

Haben Sie am Wochenende noch nichts vor und wollen eine kleine Sommerreise in den Süden zu diesen feurigen Klängen unternehmen? Dann können Sie diese Spanier, Iberer, Halbspanier, Franzosen mit Liebe zum Rhythmus an diesem Samstag erleben. Ravel: Boléro & Bizet / Sarasate: Carmen Suite im wunderschönen Barocksaal des Schloss Schleißheim. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

Doch zurück zum Fußball…wer wird es heute Abend werden und im Finale der Fußball EM stehen? Spanien oder Portugal? Welche Haare werden siegen? Ich persönlich bin für Carmens Frisur, eine lange schwarze Wallemähne, da kann man eigentlich nicht falsch liegen. Schade eigentlich, dass die nicht auch Fußball spielt.

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Über den Autor

Laura: Ich bin gerade erst nach München gezogen und bin total überwältigt vom kulturellen Angebot in dieser wunderschönen Stadt. Ich arbeite seit Februar 2012 im Marketing und im Bereich Social Media. Ich finde die neuen Medien richtig spannend und freue mich hier bei Kulturgipfel mit der Zeit zu gehen und die Möglichkeiten des web 2.0 kennenzulernen. Ich habe die letzten vier Jahre in Erlangen verbracht und dort Germanistik und Computerlinguistik studiert. Die Mischung aus geisteswissenschaftlichen und technischen Themen fand ich schon in meinem Studium sehr interessant und kann das hier problemlos weiterführen.