Am Wochenende fand im Nymphenburger Schloss unterm Münchner Nachthimmel das Sommer-Open-Air „La Notte Veneziana“ statt. Ein stimmungsvoller Abend mit Musik, Literatur und Beleuchtungszauber.
Was wäre die Lagunenstadt Venedig ohne ihre verzweigten, engen Wasserstraßen, durch die einen venezianische Gondeln romantisch wiegen. Wasser ist das Herz Venedigs. Bei dem Freiluftkonzert „La Notte Veneziana“ am vergangenen Samstag, dem 4. August, kam dieses zum Glück nicht über das Publikum und die Künstler. Und so wurde schon einmal ein entscheidenden Erfolg verbucht: es blieb trocken und das gesamte Konzert konnte unter freiem Sternenhimmel genossen werden.
Ohne Wasser, jedoch mit ihrer einmaligen Atmosphäre, hielt sie also im Nymphenburger Schloss ihren Einzug: Die romantische Stadt Venedig, die für eine Vielzahl von italienischen Komponisten die wichtigste Wirkungsstätte und Reiseziel zahlreicher Dichter und Gelehrter war. Gioachino Rossini feierte dort besonders mit der opera buffa „L’Italiana in Algeri” 1813 am Teatro S. Benedetto große Erfolge und wurde zum gefragtesten Opernkomponisten seiner Zeit. Giuseppe Verdis weltberühmte Opern, darunter „Rigoletto” und „La Traviata”, hatten im Teatro La Fenice ihre gefeierten Uraufführungen. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe fand in Italien sein reales Akadien und entscheidende Impulse für sein literarisches Werk. Zudem bildet Venedig, insbesondere zur Karnevalszeit, einen beliebten Spielort für Operetten und Opern, etwa für „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß.
Dementsprechend lebte Venedig an diesem Abend im Innenhof des Orangerietraktes, unter grünen Bäumen, umsäumt von atmosphärisch beleuchteten Schlosswänden in Wort und Musik auf. Der Tenor Anton Klotzner, der Bariton Riccardo Lombardi sowie der Sopranistin Evgeniya Sotnikova und der Mezzosopranistin Ida Wallén besangen in heiteren und berührenden Arien, Duetten und Ensembles die Lagunenstadt. Insbesondere Gesangspartien aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ wurden zu Gehör gebracht.
Der Tenor Klotzner eröffnete die Venezianische Nacht mit der Arie „Sei mir gegrüßt du holdes Venezia“ und der Schauspieler Tobias Maehler nahm das Publikum anschließend mit auf eine literarische Reise nach Venedig, mit Auszügen aus J.W. Goethes literarischem Reisebericht „Italienische Reise“. In weiteren Arien und Duetten aus Verdis „Un ballo in maschera“ und „La Traviata“ brillierten zudem Ida Wallén, Evgeniya Sotnikova und Riccardo Lombardi. Zauberhaft war das Duett „Belle nuit, oh nuit d’amour“ aus Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, mit dem Ida Wallén und Evgeniya Sotnikova liebessehnsüchtig und in den schönsten Tönen für die venezianische Liebesnacht schwärmten.
Der Turiner Pianist und Dirigent, Stellario Fagone, unterhielt das Publikum zwischen den Musiken in äußerst charmanter und humorvoller Art mit Anekdoten aus dem Nähkästchen der venezianischen Operngeschichte. Tobias Maehler gab noch weitere literarische Kostproben bekannter Dichter und Venedigkenner und führte das Publikum über den traumhaften Markusplatz, den Canale Grande, zum venezianischen Karneval und nicht zuletzt in einer Gondel zu einer originär venezianische Gaststätte. Die musikalischen Höhepunkte wurden demnach ganz im Sinne eines venezianischen Sprichwortes umrahmt: Vedi Napoli e poi mori, vedi Venezia e po‘ discori.“ – also „Neapel sehen und sterben, Venedig sehen und reden“.
Nach der Pause – die Dunkelheit legte sich bereits über den lauschigen Ort – wurde es noch einmal richtig romantisch. Fackeln wurden angezündet und sorgten für eine stimmungsvolle Beleuchtung. Das Liebesduett aus Verdis „Otello“, herzerwärmend von Anton Klotzner und Evgeniya Sotnikova interpretiert, sowie der krönende Abschluss mit „O sole mio“ sorgte für viel Gänsehaut. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits einige Zuschauer in die vom Kulturgipfel gestellten warmen, kuscheligen Decken gewickelt und bedankten sich mit stürmischem Applaus bei den Künstlern für diese wundervolle venezianische Sommernacht.
Wir haben Venedig gesehen und gehört! Mit Friedrich Nietzsche schließen wir: „Wenn ich ein anders Wort für Musik suche, so finde ich immer nur das Wort Venedig.“
Übrigens: Ein kurzer, sanfter Regenschauer kurz nach dem Konzert brachte dann doch noch ein wenig echtes Venedig-Wasser nach Nymphenburg.
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