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    “Man wächst letztlich an sich selbst” – Teil zwei des Interviews mit Jakob Spahn

    März 7th, 2013

    Jakob Spahn ist Solo-Cellist der Bayerischen Staatsoper und Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe (u.a. ARD-Wettbewerb). Im ersten Teil des Interviews sprach er mit kulturblog münchen über seine ersten musikalischen Schritte, Lehrer, Motivation und die beiden Städte München und Berlin. In der Fortsetzung des Interviews geht es um Herausforderungen, Wettbewerbe und Zukunftsmusik.


    Was ist es für ein Gefühl, auf der Bühne zu stehen?
    Es ist eine unmittelbare und große Selbsterfahrung. Sie besteht für mich aus zwei Dingen: Man lernt sich zum Einen selber kennen und merkt außerdem, wie man auf andere Leute reagiert. Umgekehrt erreicht man natürlich auch eine Reaktion vom Publikum; das ist Kommunikation pur. Aber am spannendsten finde ich diese besondere Herausforderung, dass man etwas erarbeitet und dann auf der Bühne schaut, wie man es umsetzt und was dabei mit einem selbst passiert. Man spürt seine Grenzen oder geht auch manchmal über sie hinaus – man wächst letztlich an sich selbst.

    Wenn du dich der Herausforderung dann stellst und auf die Bühne gehst, hast du da ein Ritual, z.B. dass du vor dem Auftritt nochmal kurz meditierst oder in dich gehst?
    Also das „in-sich-gehen“ und „aus-sich-heraus-spielen“ ist meiner Ansicht nach sowieso das Allerwichtigste, weil man immer nur aus seinem Inneren heraus seine Qualitäten abrufen kann. Das heißt, ohne sich vorher nicht wirklich gesammelt zu haben, ist es glaube ich gar nicht möglich, richtig Musik zu machen. Man muss wirklich alles was man hat, bündeln, um richtig ausdrucksvoll musizieren zu können. Ich spüre mich und mein Instrument – das mache ich auf jeden Fall immer bevor ich ein Konzert spiele. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich mich vor dem Konzert stundenlang irgendwo still hinsetze (lacht)!

    Richtig gut gebündelt hast du das ja auch 2010, als du den Sonderpreis der Alice Rosner Foundation beim ARD-Wettbewerb gewonnen hast. Wie hast du den Wettbewerb erlebt?
    Der ARD-Wettbewerb ist ein riesengroßer und renommierter Wettbewerb mit wahnsinnig vielen tollen Teilnehmern auf einem ausnahmslos sehr hohen Niveau. Schon allein die Teilnahme war für mich eine wertvolle Erfahrung. Und dass ich dann noch so weit gekommen bin und dann auch einen Preis gewonnen habe, das war ein absolut tolles Erlebnis: zu merken, dass man über sich hinauswachsen kann und das man manchmal auf der Bühne etwas herstellen kann, was man vorher gar nicht für möglich gehalten hat. Oft ist es auch ein bisschen Glückssache; man braucht eben auch Glück, um Erfolg zu haben! Und es ist eben schön, wenn man für die Arbeit, die man investiert hat, auch was zurückkriegt. Preise – egal ob beim ARD-Wettbewerb oder auch an anderer Stelle – sind eine tolle Sache. Aber ich finde, sie sind nicht das das Einzige, um das es gehen sollte. Es kommt doch vor allem auf die innere Einstellung an und das Vertrauen in sich selbst, das man bei diesen Wettbewerben gewinnt.

    Aber dadurch, dass du diesen Preis in München gewonnen hast, hast du da nicht auch ein bisschen Vertrauen mit in dieses Probespiel an der Staatsoper hinein genommen?
    Absolut! München war wie gesagt für mich immer ein gutes Pflaster, ich habe auch lange Jahre eine Freundin in München gehabt, war gerne und oft hier und habe diese Stadt immer schon geliebt. Und dieses Vertrauen, dieses Wohlfühlen, das hilft natürlich auch bei einem Probespiel.

    Lehn dich zurück, schließe die Augen – du hast drei Wünsche frei.
    Ich wünsche mir, dass ich die Musik weiterhin so gut in mein Leben einbinden kann. Also einerseits als Orchestermusiker an diesem wunderbaren Haus anspruchsvolle Literatur zu spielen und andererseits ist es meine absolute Wunschvorstellung, mein eigenes Festival zu haben. Ich möchte dabei eigene Konzepte entwerfen, und mit Freunden auf hohem Niveau musizieren. So lerne ich wieder anderes Repertoire kennen und trete außerdem durch die Musik in Verbindung mit anderen Menschen. Außerdem wünsche ich mir, dass ich das hoffentlich immer mit viel Freude und Energie mache und nie in Routine erstarre.

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    Streichinstrumente und Bögen zum Anfassen

    Februar 27th, 2013

    Es ist ein Handwerk von höchster Kunstfertigkeit und eine über 500 Jahre alte Tradition in München: der Geigenbau. Dieser sonst eher verborgenen Tätigkeit ist derzeit die Ausstellung „Münchner Geigentage 2013“ in der Sammlung Musik im Stadtmuseum gewidmet.

    Noch bis zum 10. März 2013 kann man dort zeitgenössische Streichinstrumente selbst spielen, anfassen und ausprobieren. Allerdings stellen nicht nur Geigenbauer ihre Geigen, Bratschen und Celli aus, sondern es gibt auch einige Bogenbauer. Zu diesem wirklich außergewöhnlichen Beruf hat uns Bogenbaumeister Markus Wörz spannende Details verraten.


    Herr Wörz, wie kam es, dass Sie Bogenbauer geworden sind?

    Nach meiner Geigenbauerlehre war ich für viereinhalb Jahre in Paris – dort bin ich als Geselle untergekommen und habe dann im Laufe des Aufenthaltes den Beruf gewechselt, vom Geigenbauer zum Bogenbauer. Denn was Cremona für den Geigenbau ist, ist Paris für den Bogenbau.

    Das heißt, Geigenbauer und Bogenbauer sind zwei komplett verschiedene Berufe?
    Es sind zwei völlig verschiedene Berufe – von der Lehre und auch von der anschließenden Meisterprüfung her.

    Warum haben Sie denn gewechselt, was gefällt Ihnen am Beruf des Bogenbauers besser?
    Ich bin ein ungeduldiger Mensch – und Reparaturen im Geigenbaubereich dauern immer viel, viel länger als im Bogenbaubereich (lacht)!

    Was erfordert beim Bogenbau das meiste Fingerspitzengefühl?
    Zum einen das Gefühl für die Steifigkeit, das Gewicht und die Flexibilität bei der Herstellung einer Bogenstange. Zum anderen das genaue Wissen, wie viele Haare man in welcher Länge man auf einen Bogen aufziehen muss, damit er richtig klingt.

    Was sind denn das für Haare, die auf einen Bogen aufgezogen werden? Immer noch Pferdehaare wie früher oder stellt man die mittlerweile künstlich her?
    Meines Wissens gibt es keine künstlichen Haare; es sind nach wie vor – wie noch vor ungefähr 300 Jahren – Pferdehaare vom Hengst. Diese Pferde sind aber nicht hier aus Europa, sondern sie stammen hauptsächlich aus Kanada oder aus Sibirien, manchmal auch Japan. Das Entscheidende dabei ist, dass die Pferde in einem kalten Klima aufwachsen. Pferdehaare aus den kalten Regionen sind um einiges dünner und daher widerstandsfähiger – äquivalent zu Bäumen aus höher gelegenen Regionen etwa, bei denen die Jahresringe viel enger gewachsen sind. Genau diese Eigenschaft der Haare ist später für den richtigen Klang ausschlaggebend.

    Das heiß, es kommt also mehr darauf an, wo die Pferde herkommen, oder spielt auch die Rasse eine Rolle?
    Auch die Rasse spielt eine große Rolle: Die Haare sollten weiß und nicht gebleicht sein, am besten sind die vom Schimmelhengst. Gebleichte Haare sind chemisch behandelt und somit klanglicher weniger effizient.

    Es gibt aber auch Bögen mit schwarzen Haaren, ziemlich große Bögen sogar. Was hat es denn damit auf sich?
    Es handelt sich hierbei um Bassbögen, also Bögen für Kontrabässe. Diese sind ganz häufig mit schwarzen Haaren bezogen. Schwarze Haare sind nämlich rauer und wenn der Bass im Jazz-Bereich eingesetzt wird, dann sind schwarze Haare oft klanglich sinnvoller.

    Was hat es für einen Effekt, wenn diese Haare rauer sind, beeinflusst das den Klang?
    Der Klang ist tatsächlich anders, nämlich viel kratziger.

    Davon abgesehen, dass ein Bogen für einen Kontrabass größer ist als einer für eine Geige, gibt es noch weitere Unterschiede?
    Die Menge der Haare ist anders. Basssaiten sind schwerer und länger und brauchen zudem viel mehr Energie um zum Schwingen gebracht zu werden.

    Es gibt also für jedes Instrument den passenden Bogen. Aber könnte man – zur Not – mit einem Cellobogen auch Geige spielen?
    Ja, durchaus – aber mit Schwierigkeiten. Cellobögen wiegen 20 Gramm mehr als Geigenbögen und lassen sich einfach nicht so agil um die Saiten bewegen. Sie sind einfach zu schwer.

    Gibt es denn auch spezielle Bögen für Kinder?
    Genauso wie es auch Instrumente für Kinder gibt – eingeteilt in Bruchteile: halbe Geigen, Dreiviertelgeigen, Viertel- und Achtelgeigen und ganz besonders goldige Zweiunddreißigstelgeigen – gibt es auch dazu passende Bögen.

    Sagt man eigentlich bespannen, wenn ein Geigenbogen neue Haare braucht?
    Man spricht in diesem Fall von behaaren.

    Was genau sind die Anzeichen dafür, dass ein Bogen neu behaart werden muss?
    Die Behaarung eines Bogens nutzt sich ab, genauso wie Autoreifen. Irgendwann sind die Haare so dünn gerieben, dass sie reißen. Wenn das passiert, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass die Haare abgespielt sind. Es hängt davon ab, wie viel gespielt wird: Leute die ihr Geld mit dem Instrument verdienen, haben einen Turnus von etwa zwei bis vier Monaten, das bedeutet drei bis sechs Behaarungen pro Jahr. Jeder, der weniger spielt, hat einen entsprechend längeren Turnus.

    Wenn Sie so einen Bogen dann fertig gestellt haben und dieser dann ausprobiert werden kann, gibt es denn dann ein Stück, das Sie immer spielen um diesen Bogen dann auf Herz und Nieren zu prüfen?
    Nein – es gibt kein spezielles Stück. Der Bogen wird in langen Strichen geprüft. Er wird in seinem Sprungverhalten geprüft und er wird letztlich auf meiner eigenen Geige in einem mir bekannten Raum auf Klang geprüft. Verschiede Bögen klingen nämlich auch verschieden auf einem einzigen Instrument.

    Was ist eigentlich schlimmer – ein schlechter Bogen oder eine schlechte Geige?
    Der Klang, den ein Streichinstrument erzeugt, gründet sich auf drei Elemente: Den Menschen, das Instrument und den Bogen. Man kann mit einem guten Bogen ein besseres Ergebnis erzielen, aber wenn die Geige nicht funktioniert, richtet auch der beste Bogen nichts mehr aus.

    Und wenn der Spieler nicht gut ist, dann nützen das beste Instrument und der beste Bogen nichts?
    Wenn der Spieler im Umkehrschluss einfach den perfekten Klang erzeugen kann, dann ist es eigentlich egal, was nun derjenige an Instrument und Bogen in der Hand hält. Dazu gibt es eine nette Geschichte. Der große russische Cellist Mstislav Rostropovich hatte einmal einen Schüler und dieser Schüler sagte zu ihm: „Wie soll ich denn den Klang erzeugen, den Sie erzeugen, wenn ich nicht das Instrument habe, welches Sie haben?“ Daraufhin nahm sich Mstislav Rostropovich das Instrument des Schülers, spielte darauf und es klang einfach fantastisch. „Sehen Sie“, hat er dann gesagt, „es ist nicht das Instrument, es ist der Mensch, der klingt.“

    Derzeit läuft eine Ausstellung von Streichinstrumenten im Münchner Stadtmuseum – nämlich die Münchner Geigentage 2013. Was gibt es dort alles zu sehen?
    Bei dieser Ausstellung sind eine gute Anzahl von Geigen- und vier Bogenbauer vertreten. Es handelt sich dabei um Geigen- und Bogenmacher allesamt aus München oder dem S-Bahn-Einzugsbereich und diese stellen gemeinsam ihre neuen Instrumente aus. Auf dieser Ausstellung kann jeder die Instrumente und Bögen ausprobieren und entscheiden, welcher Klang für ihn der Passende ist.

    Und Sie treffen wir da auch?
    Ja – mich treffen Sie da auch (lacht).

    Übrigens: Wenn er nicht gerade auf der Geigenausstellung ist, findet man Markus Wörz in seiner Meisterwerkstatt in der Kreittmayrstrasse 17.
    Und wer Geigenbögen – mitsamt Instrument und Spieler – in Aktion erleben möchte, dem empfehlen wir die Konzerte mit einem der bekanntesten Werke für Streicher: „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi:

    27.04.2013 im Hubertussaal, Schloss Nymphenburg

    11.05.2013 im Barocksaal, Schloss Schleißheim

    13.08.2013 im Brunnenhof der Residenz

    15.09.2013 im Barocksaal, Schloss Schleißheim

    13.10.2013 und 30.11.2013 im Hubertussaal, Schloss Nymphenburg

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    Zwischen München und Berlin: Interview mit Jakob Spahn

    Januar 28th, 2013

    Jakob Spahn ist Solo-Cellist der Bayerischen Staatsoper und Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe (u.a. ARD-Wettbewerb). Im Interview mit kulturblog münchen verrät er, was er an seiner Heimatstadt Berlin vermisst, wie er zum Cello kam und woher er seine Motivation nimmt.

    Du bist seit 2011 im Orchester der Bayerischen Staatsoper, wie fühlst du dich in München – als Berliner?
    Für mich war München immer schon eine Traumstadt. Als Kind habe ich drei Jahre lang in der Nähe von München gelebt und verbinde mit dieser Zeit viele tolle Kindheitserinnerungen. Mein größter Wunsch war es, irgendwann zurückzukehren und hier zu leben, weil ich diese Stadt und die Kultur so liebe.

    Fehlt Dir Berlin manchmal trotzdem?
    Klar fehlt mir Berlin manchmal – dort gibt es vor allem sehr viel Subkultur, was in München ja leider noch nicht so ausgeprägt vorhanden ist. Hier ist alles viel „gesetzter“ und organisierter. Ich mag das Lebensgefühl in München sehr gerne; aber ein bisschen Berlin darf es ab und zu schon sein!

    Wo hast du denn eigentlich angefangen, Cello zu lernen – in Berlin?
    So richtig
    angefangen habe ich erst in Bayern, und zwar an der Musikschule in Tutzing. Aber ich hatte in Berlin das entscheidende Erlebnis, warum ich überhaupt mit diesem Instrument angefangen habe: Als 5- oder 6-Jähriger hatte ich die Chance, den „Karneval der Tiere“ in der Berliner Philharmonie zu hören. Der „Schwan“ – gespielt vom Cello – hat es mir besonders angetan. Das Cello als Instrument hat mir auch von seinem Körper, von der Form her gefallen und von seinem breiten Spektrum an Farben und Stimmlagen. Man kann große Höhen erreichen – fast wie bei einer Geige – und man hat aber auch das Sonore, Tiefe, Substanzielle; das Cello deckt einfach so viele Facetten ab.

    Würdest du sagen, es entspricht auch am ehesten deiner Persönlichkeit?
    Ja, absolut. Ic
    h konnte mir eigentlich nie vorstellen, Geige oder Kontrabass zu lernen und ein Blasinstrument auch nicht; ich bin einfach ein Streicher. Ich liebe es sehr mit Klang zu arbeiten und gerade die Stimmlage des Cellos liegt mir eben.

    Kommst du aus einer musikalischen Familie? Einer „Streicherfamilie“?
    Überhaupt nich
    t. Ich hab in der ganzen Familie überhaupt keinen Musiker weit und breit, also ich bin absolut ein…ein… ja, ich weiß auch nicht, wie das gekommen ist (lacht). Sicherlich, meine Eltern haben meine Musikalität natürlich auch gefördert. Aber das Interesse, dass ich Musiker geworden bin und keinen wissenschaftlichen Weg eingeschlagen habe wie viele andere in meiner Familie, ist tatsächlich außergewöhnlich.

    Und diese Disziplin, die man ja beim Üben braucht –hast du das auch ohne die Hilfe der Eltern geschafft? Oder hat sich Deine Mutter hingesetzt und mit Dir geübt?
    Ich glaube, bis zu einem bestimmten Alter braucht es schon eine gewisse Führung seitens der Eltern. Aber als ich etwa 12 Jahre alt war ging das Üben dann schon größtenteils alleine. Ich h
    abe zu der Zeit begonnen, in Jugendorchestern zu spielen; erst im Landesjugendorchester und später im Bundesjugendorchester. Mit 13 hatte ich dann bereits Unterricht an der Hochschule – das alles hat mich unglaublich angespornt. Natürlich muss man sehr viel Disziplin aufbringen und auch auf viele Sachen verzichten, was ehrlich gesagt nicht immer leicht war und ist. Aber auf der anderen Seite bringt mir die Musik sehr viel Erfüllung. Meine Motivation ist die Kommunikation mit dem Publikum, also die Vermittlung von dem, was man tut. Und auf der anderen Seite auch die Arbeit mit sich selber; das ist für mich eine Verbindung zwischen geistiger Arbeit – also zwischen Kopfarbeit, die man ohne Frage braucht, um die Komposition zu erfassen – und der Intuition und der unmittelbaren eigenen Emotion. Ich brauche das Üben mittlerweile auch für mein Wohlbefinden. Ein Tag, an dem ich nicht wenigstens ein bisschen geübt habe, ist wirklich unbefriedigend für mich. Das Spielen führt mich zu mir selber.

    Wenn es tatsächlich mal schwer ist Dich zu motivieren – gibt es irgendetwas, z.B. einen Satz von einem Lehrer oder ein Erlebnis, das du dir dann in Erinnerung rufst?
    Die Ehrlichkeit und Unmittelbarkeit, die manche Lehrer oder Dirigenten ausstrahlen beim Musizieren – das rufe ich mir dann ins Gedächtnis.

    Fortsetzung folgt! Der zweite Teil des Interviews erscheint in Kürze – seien Sie gespannt!

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    Kopflos in Ägypten oder der geschichtliche Hintergrund von “Julius Caesar”

    Januar 17th, 2013

    Im Gegensatz zu manch anderem Zeitgenossen war der Komponist Georg Friedrich Händel bereits zu Lebzeiten berühmt – und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Er schrieb insgesamt 42 Barockopern, sowie 25 Oratorien, von denen der „Messias“ zu den bekanntesten zählt. Sein Gesamtwerk umfasst über 600 Stücke. Seine bekannteste und bis heute erfolgreichste Oper ist „Julius Caesar“. Am 20. Februar 1724 wurde sie unter Händels eigener Leitung am Haymarket-Theater der Royal Academy of Music in London uraufgeführt, zu dessen Direktor Händel im Jahr 1719 berufen worden war.

    © Mark KamphuisHändel und sein Librettist Nicola Francesco Haym griffen bei der Handlung der Heldenoper um Caesar, Kleopatra und deren Widersacher Ptolemaios auf die historischen Begebenheiten nach der Schlacht bei Pharsalus während des Bürgerkriegs im Jahr 48 v. Chr zurück. Aus dieser Entscheidungsschlacht war Caesar gegenüber Pompeius siegreich hervorgegangen und Pompeius floh nach Ägypten. Hier herrschte der damals erst dreizehnjährige Ptolemeus XII., oder genauer sein Vormund Achillas. Pompeius erwartete auf ägyptischem Boden keine Zuflucht: Nach orientalischer Sitte wollte sich Achillas sich beim Sieger der Schlacht – Caesar – gutstellen, indem er ihm den Gegner aus dem Weg räumte. Mit einer List schaffte es Achillas, Pompeius von seiner Flotte zu trennen; Pompeius wurde überwältigt und man schlug ihm den Kopf ab. Dieser sollte er dann Caesar als Trophäe überreicht werden; Cornelia, die Frau Pompeius‘, war Augenzeugin der Ermordung ihres Mannes.

    Caesar landete schließlich in Ägypten, die Nachricht der tückischen Ermordung seines Gegners empfing er mit Abscheu – er soll gar beim Anblick des abgeschlagenen Hauptes in Tränen ausgebrochen sein. Denn auch wenn Pompeius sein Feind gewesen war, so war er doch Römer gewesen. Hier © Mark Kamphuiswar also ein Landsmann umgebracht worden und das sollte gerächt werden. In der darauffolgenden Schlacht, dem sogenannten Alexandrinischen Krieg, bei dem Achillas die Ägypter anführte, verloren Ptolemeus und die meisten an der Ermordung beteiligten ägyptischen Führer ihr Leben. Cleopatra, die ältere Schwester des Ptolemeus, profitierte von dieser Situation. War sie während der Herrschaft Achillas‘ von der Regentschaft ausgeschlossen worden, wusste sie nun die Lage geschickt zu nutzen und Caesar zu umgarnen. Ehe dieser nach Kleinasien weiterzog, wurde Cleopatra von dem römischen Feldherrn zur Königin von Ägypten ernannt.

    Am Sonntag, den 20. Januar 2013 wird die legendären Begegnung zwischen Caesar und Cleopatra im Cuvilliéstheater als konzertante Aufführung auf die Bühne gebracht. Unter der Leitung von Konstantin Hiller begleitet das Orchester 1756 international namhafte Sänger bei der Darbietung von Händels Meisterwerk “Julius Caesar”. Eine facettenreiche Aufführung dieses dramatischen Stoffes, bei der sich die opulente Opernkunst Händels farbenreich in der kunstvollen Architektur des Cuvilliéstheaters widerspiegelt, und durch die Verbindung mit prächtigen Kostümen von der Akademie für Mode und Design München (amd) ein aufregendes Erlebnis für Auge und Ohr bereithält.

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    Vivaldis Husten

    Juni 21st, 2012

    Antonio Vivaldi

    Antonio Vivaldi

    Begonnen hat alles mit einem fiesen Kratzen im Hals, das sich auch durch das emsige Lutschen von Hustenpastillen nicht in den Griff bekommen lies. Dann wanderten die Bakterien weiter, machten die Nebenhöhlen dicht und feierten in meinem linken Mittelohr eine wilde Party, um sich schließlich in meinen Bronchien niederzulassen, was diese mit einem unangenehmen Reizhusten quittierten.

    Während ich also mehr oder weniger schlecht gelaunt mit Salbeitee gurgle, Lindenblütentee trinke oder umgekehrt, muss ich an Vivaldi denken. Antonio Lucio Vivaldi, geboren am 4. März 1678 in Venedig war nämlich noch viel schlimmer dran: ihn plagte nicht nur einen Sommer, sondern Zeit seines Lebens ein schlimmer Husten, Vivaldi litt an Asthma. Deshalb musste er sogar sein Priesteramt niederlegen, so sehr zehrte das Lesen der Messe an seinen Kräften. Manchmal verschwand er während des Gottesdienstes für längere Zeit in der Sakristei, um sich auszuhusten oder auszuruhen – oder um eine Melodie aufzuschreiben, die ihm während der Messe eingefallen war, so munkelten damals die Leute. Die Musik war eben doch Vivaldis größere Liebe. Irgendwann gab er das Priesteramt dann ganz auf und wandte sich vollständig der Tätigkeit als Geiger und Komponist zu. Aus heutiger medizinischer Sicht übrigens durchaus ein richtiger Schritt, denn körperliche Anstrengung kann Asthma verschlimmern. Oder war es ein Vorwand, um sich auf die Musik konzentrieren zu können? Denn dass er sich beim Komponieren weniger anstrengte, kann man nicht so ganz glauben, schließlich stammen mindestens 770 Werke aus seiner Feder und vielleicht sind es noch mehr. Erst 1927 fand man in einem piemontesischen Kloster und in Genua eine Handschriftensammlung mit über 300 bis dahin unbekannten Konzerten, 19 Opern, einem Oratorium und zahlreichen Vokalwerken.

    Eine Messe hat Vivaldi auf jeden Fall nie wieder gelesen. Von seiner Zeit als Priester blieb ihm nur der Spitzname “il Prete rosso“. Das „rosso“ rührt aber nicht etwa daher, weil Vivaldi zu seinem Asthma auch eine rote Schnupfennase hatte, nein. Den „roten Priester“ nannten ihn die Menschen seiner üppigen roten Haarpracht wegen, auch im damaligen Italien eine Seltenheit.

    Elke kuriert ihren Husten mit Tee

    Elke kuriert ihren Husten mit Tee

    Die Menschen waren von Vivaldis Musik begeistert, seine Werke riefen wahre Begeisterungsstürme bis hin in die höchsten adeligen Kreise und zu König Ludwig XV. hervor. Nur einem gefiel es so gar nicht, dass Vivaldi sich aus der kirchlichen Verantwortung weggehustet hatte und der ruinierte den Komponisten dann auch finanziell: Kardinal Tommaso Ruffo. Per Edikt ließ er am 16. November 1737 die Aufführung einer Oper Vivaldis in Ferrara mit der Begründung verbieten,  Vivaldi käme seinen priesterlichen Pflichten wie dem Lesen der Messe nicht nach – der Hauptgrund dürfte aber eher die wilde Ehe mit der Sängerin Anna Girò gewesen sein, was dem sittenstrengen Kardinal mehr als missfiel. Vivaldi gehörte schließlich offiziell immer noch zum Priesterstand!

    Vivaldi hätte das Geld aus der Opernaufführung dringend gebraucht – enttäuscht und knapp bei Kasse brach er zwischen Frühjahr und Sommer 1740 mit Anna Girò nach Wien auf, starb dort jedoch weniger als ein Jahr später, ohne künstlerisch wieder Fuß gefasst zu haben, am 28. Juli 1741. Mein Fazit: So ein Husten hat also manchmal durchaus sein Gutes, wie in Vivaldis Fall für die Musikgeschichte. Über den tieferen Sinn meines Hustens muss ich erst noch nachdenken.

    Wenn Sie Vivaldis Vier Jahreszeiten einmal im wunderschönen Schloss Schleißheim erleben wollen, haben Sie dazu die Möglichkeit am 11. Mai 2013 im Barocksaal. Ein ganz besonderes Highlight ist es natürlich den schönsten Jahresreigen der Musikgeschichte unter freiem Himmel zu genießen. Das können Sie am 13. August 2013 im Brunnenhof der Residenz als Open Air genießen.

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    Classical:NEXT goes public

    Mai 30th, 2012

    Classical:NEXT | Morgen geht’s los!
    30. Mai – 02. Juni 2012 |
    München/Gasteig

    München/Berlin: Die Classical:NEXT wird Teile ihres Programmes für das Münchener Publikum öffnen. Unter dem Namen „Classical:NEXT goes public“ finden zwischen dem 31. Mai und 01. Juni Konzerte, Filmvorführungen und ein unabhängiges Clubprogramm  statt. Dies wurde auf einer Pressekonferenz im Gasteig München bekannt gegeben, auf welcher sich im April die Classical:NEXT den lokalen Medien vorstellte.

    Auf dem Podium waren:

    • Jennifer Dautermann, Direktorin von Classical:NEXT,
    • Dr. Hans-Georg Küppers, Leiter des Kulturreferats der Landeshauptstadt München,
    • Dr. Rainer Kahleyss, Mitbegründer von CLASS, dem Verband der unabhängigen
    • Klassiklabels in Deutschland,
    • Moritz Eggert, Komponist und Pianist aus München
    • Maria Nguyen-Nhu, Kuratorin und Leiterin des unabhängigen Club-Festivals „Classical Next Level“ in München.

    Bei „Classical:NEXT goes public“ begegnen sich Fachbesucher und Klassikpublikum. Die Veranstalter planen auch für die kommenden Jahre mit München als Veranstaltungsort und möchten den Festival-Teil weiter ausbauen. Direktorin Jennifer Dautermann dazu:  “Es ist wichtig, das Publikum miteinzubeziehen. Bereits in unserer Erstausgabe heißen wir daher die Münchener willkommen und bieten Ihnen einen ersten Eindruck der Classical:NEXT. In den kommenden Jahren möchten wir diese Angebote ausbauen.“

    Am 1. Juni 2012, finden im Gasteig die Showcase-Konzerte von vier außergewöhnlichen Ensembles aus drei Ländern öffentlich statt. Sax Allemande (Deutschland) spielt Mozartarien in Versionen für Saxofontrio, das Ensemble Variances (Frankreich) experimentiert mit Musik der Maya, die Salzburger Hofmusik erneuert Musik des 18. Jahrhunderts und das korsische Vokalseptett A Filetta (Frankreich) führt ein eigenes Requiem auf.

    Öffentlich zugänglich ist auch das Filmprogramm am 31.Mai. und 1.Juni, ausgewählt vom IMZ International Music + Media Centre. Acht Filme, in deren Zentrum die klassische Musik steht, von der Live-Aufzeichnung von bekannten Bühnen über Musikalisch-Komödiantisches bis zur Oper als Trickfilm. Der Eintritt zu den Filmen wird frei sein.

    Zudem wird das unabhängige Konzert-Programm von „Classical Next Level“ in den Clubs Harry Klein und Bob Beaman mit kurzen Darbietungen Neue Musik an ein junges Publikum heranführen. Anschließend wird klassische Musik mit „smarten Übergängen“ aufgelegt.

    Über die Classical:NEXT
    Die Classical:NEXT ist das neue, internationale Fachforum für klassische Musik  vom 30. Mai – 02. Juni 2012 im Münchener Gasteig. Eine Musik- und Netzwerkveranstaltung für alle Sektoren der Klassikbranche, für alle Epochen und Genres und darüber hinaus. Initiator der Classical:NEXT ist CLASS – Association of Classical Independents in Germany e.V. (www.class-germany.de), Produzent der Messe ist die piranha womex AG, welche seit 1994 die Fachmusikmesse WOMEX – the world music expo – ausrichtet (www.womex.com). Das Kulturreferat der Stadt München fördert das Projekt.

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    Interview mit Dr. Ulrich Peters, Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz

    März 28th, 2012

    Dr. Ulrich Peters befindet sich gerade in seiner letzten Spielzeit am Staatstheater am Gärtnerplatz. Er ist seit der Spielzeit 2007/08 der Staatsintendant und Leiter in München. Nun verlässt er unsere schöne Stadt, um nach Münster als Leiter der Städtischen Bühnen zu gehen. kulturblogmünchen hat ihn am 6. März 2012 getroffen und ihn zu seiner Zeit am Gärtnerplatz, Social Media und anderen spannenden Themen befragt:

    Dr. Ulrich Peters
    Dr. Ulrich Peters

    Herr Peters, sie sind 2007 als Intendant ans Staatstheater am Gärtnerplatz gekommen. Gab es etwas, was sie trotz ihrer langen und reichen Theatererfahrung hier in München überrascht hat?
    Ja, und zwar hatte ich vorher noch nie an einem Haus so oft gehört: „das haben wir immer so gemacht und das funktioniert nicht“.

    Und welche Visionen hatten sie damals im Gepäck?
    Mein größtes Anliegen war, eine größere Vielfalt im Spielplan zu zeigen; also zusätzlich zum klassischen und modernen Opernrepertoire wieder große Musicals aufzunehmen und auch mehr auf die Operette zu setzen. Und vor allem auch die Zahl der Premieren zu erhöhen, denn das ist es, was die Aufmerksamkeit der Medien und natürlich auch der Öffentlichkeit auf sich zieht. Das hat ganz hervorragend funktioniert, wir haben unendliche viele Ordner mit Vorberichten und Kritiken bekommen! Im Haus war das mitunter allerdings ein bisschen schwierig, weil es natürlich gemütlicher ist, wenn man nur fünf oder sechs Premieren pro Jahr macht, und nicht plötzlich elf wie zu Beginn meiner Intendanz.

    Welche Produktionen kamen am besten an?
    Interessanterweise solche Produktionen wie „Tod in Venedig“ – bei denen man normalerweise sagen würde, das ist der „Tod an der Abendkasse“ – und zwar sowohl bei den Medien, als auch bei den Zuschauern. Ein spannendes Projekt in der ersten Spielzeit war auch eine Heavy-Metal Oper. Leider konnten wir hier nur eine Platzausnutzung von gut 70 Prozent erreichen. Wir hatten einfach noch nicht die richtigen Distributionskanäle, wir wussten nicht, wen wir ansprechen müssen und wie. Denn die eigentliche Zielgruppe für diese Art von Musik hatte das Gärtnerplatz-Theater wahrscheinlich überhaupt nicht auf dem Schirm.

    Bei den Distributionskanälen ist ja dann unter ihrer Intendanz einiges passiert, ich denke hier an den Bereich Social Media.
    Ja, das haben wir ganz bewusst gemacht. Das fängt ganz banal mit dem Kartenverkauf im Internet an. Etwa ein Viertel unserer Zuschauer sind unter 25 Jahre alt, die buchen ihre Karten fast ausschließlich über das Internet. Aber auch die älteren Semester ziehen langsam nach. Deshalb war es ganz wichtig, dass wir zügig einen großen und interessanten Internetauftritt bekommen. Dann ging es ganz schnell weiter mit Facebook und twitter. Inzwischen hat das Theater bei Facebook sehr viele Freunde, die zum Beispiel dort aus erster Hand Probenberichte bekommen und so auch ganz anders vorbereitet in die Vorstellungen gehen – kurz: Sie erleben das Theater ganz anders. Und letztlich ist Theatermachen ja immer auch Vermittlungsarbeit. Das muss natürlich alles gut durchdacht sein, denn es ist eine sehr vertrauensvolle Arbeit mit den Zuschauern.

    Wie wird das in der Praxis umgesetzt? Gibt es den twitternden oder postenden Intendanten oder haben Sie ein Team, das diese Aufgaben übernimmt?
    Das übernimmt meine Pressesprecherin höchstpersönlich. Jeden Morgen kommt irgendetwas Besonderes auf unsere Internetseite und natürlich wird auch immer etwas auf Facebook gepostet, regelmäßig machen wir auch Aktionen oder Gewinnspiele. Wir arbeiten da sehr systematisch und nicht nach dem Motto „Muss man halt machen heutzutage“, sondern es macht uns richtig Spaß.

    War das von Beginn an so, oder mussten sie anfangs Überzeugungsarbeit leisten?
    Ja das musste ich. Oft kamen Sätze wie „Das brauchen wir doch nicht“, „Das ist doch nicht nötig“, „Was soll das? Wozu das Ganze?“. Bei aller Wertschätzung für die Arbeit, die mein Vorgänger gemacht hat – und da waren tolle Produktionen dabei, die ich sehr mochte – das Internet war nicht seine Stärke. Mir war es hingegen ein großes Anliegen, dieses Theater ins 21. Jahrhundert bringen. Und ich glaube, das ist auch gelungen.

    Private Kulturveranstalter sind angewiesen auf große Etats im Marketingbereich, um ihre Zielgruppen zu erreichen. In den letzten Jahren hat bei diesen Etats eine Verschiebung von teilweise über 30 Prozent von Print hin zum Online stattgefunden. Wie ist es bei einem großen subventionierten Theaterbetrieb?
    Auch bei einem staatlich geförderten Theater ist es so. Ich glaube schon lang nicht mehr an Plakate für Einzelevents. Plakate stellen meiner Meinung nach eher Imagewerbung für eine Kultureinrichtung oder einen Veranstalter dar. Der Erkennungswert muss dabei natürlich eindeutig sein, über die Farbe oder ein starkes Logo. Für einzelne Konzerte sind meines Erachtens eher Postkarten oder Flyer nützlich, eben etwas was die Leute mitnehmen können – oder elektronische Newsletter. Ich bin ganz sicher, dass eine weitere Verschiebung weg vom Print stattfinden wird. Man muss einfach sehen, wo sich die Zielgruppe aufhält und wie man sie dort abholt. Die Zuschauer sind heute alle so Internet- und computeraffin, dass man sie viel genauer mit Direktmarketing erreicht und ihnen maßgeschneiderte Angebote machen kann – das geht online viel besser.

    Staatstheater am Gärtnerplatz
    Staatstheater am Gärtnerplatz

    Sie haben eben die Zielgruppe erwähnt – welche Zielgruppe haben Sie denn angezielt und ist die erreicht worden?
    Das Gärtnerplatz-Theater hat keine klar definierte Zielgruppe. Charakteristisch für unser Haus ist die extreme Vielfalt des Publikums und eben auch des Angebots. Angefangen von Kinderopern für die ganz Kleinen, über die Jugendlichen, die wir mit der Heavy Metal Oper oder auch mit den Musical erreichen wollen, spannen wir den Bogen bis hin zum erfahrenen Theaterbesucher. Wir haben versucht, die Belcanto-Freunde über Verdi-Zyklus, oder mit Donizetti oder Rossini abzuholen; wir haben versucht, durch einen ergänzenden Spielplan die abzuholen, die sowohl in die Staatsoper als auch als auch hierher gehen. Beim Thema Verdi beispielsweise war sehr genau zwischen den Häusern abgesprochen wer was anbietet. Das Zauberwort ist Kooperation statt Konkurrenz, wir machen schließlich alle Theater für diese Stadt München und die Menschen.

    Wie sieht denn das Verhältnis zu den privaten Konzertveranstaltern aus? Gibt es da auch Absprachen wie zwischen den beiden Opernhäusern?

    Da gibt es gar nicht so viel, wo man sich absprechen könnte oder müsste, denn wir spielen nur sehr wenige Konzerte. Wir koordinieren unsere Musicalproduktionen bis zu einem gewissen Grad mit dem Deutschen Theater; Absprachen gab es auch mit dem Lustspielhaus, weil ich die Idee hatte, hier etwa vier Mal im Jahr etwas typisch Bayerisches zu machen – aber das ist eigentlich die Domäne des Lustspielhauses. Also haben wir uns auf „Oper auf Bayrisch“ beschränkt. Ein Bekenntnis zu diesem schönen Freistaat wollte ich aber dennoch machen!

    Sie übernehmen zur Spielzeit 2012/13 die Intendanz am Theater in Münster – aber es klingt, als würden sie München nur ungern verlassen?
    Ich freue mich sehr auf die Arbeit in Münster, Münster ist eine wunderschöne Stadt. Aber wer geht schon gerne aus München weg? Das Glück ist, dass Münster ein kleines München ist. Aber ich bin jemand, der Berge und Seen sehr liebt. Seen gibt es auch da oben; mit den Bergen – da werde ich mir wohl eine Fototapete ins Arbeitszimmer hängen müssen.

    Haben Sie schon mit dem Kisten packen angefangen?
    Dr. Ulrich Peters: Ja, ich habe schon angefangen. Der Umzug hier im Haus, und dann noch privat – also im Moment bin ich ein bisschen im Stress.

    Sie sprechen es schon an – neben ihrem privaten Umzug zieht auch das Staatstheaters am Gärtnerplatz um, denn dem Haus steht ein großer Umbau bevor. Was wird da im Einzelnen alles passieren?
    Der ganze Backstage-Bereich wird neu gemacht. Das heißt, es wird im Grunde hinter der Bühne alles entkernt, nur die Außenwände bleiben stehen. Es wird neue Werkstätten geben, zwei große Probebühnen im Keller, es kommt ein neuer Orchesterproberaum aufs Dach und es muss ganz viel im vorbeugenden Brandschutz gemacht werden. Das Haus wird im Besucher- und Bühnenbereich barrierefrei, das war mir ein ganz großes Anliegen.

    Das letzte Stück, das sie hier am Haus inszenieren, wird Verdis “Falstaff” sein. In einem Interview, das auch auf dem Social Media Bereich des Theaters zu sehen ist, haben Sie gesagt: „Einen schöneren Schlusspunkt gibt es nicht.“ Warum?
    Weil es so ein augenzwinkerndes Stück ist und weil es die Kraft des Theaters zeigt. Jedenfalls in meiner Interpretation ist Falstaff zwar im Grunde ein verfressener Hurenbock, aber er ist gleichzeitig auch Schauspieler in einer Theatergruppe und er verwandelt mit seiner Art diese spießbürgerliche Gesellschaft – bis sie selbst anfängt, plötzlich Theater zu spielen. Und das ist Verdis großes Glaubensbekenntnis an die Kraft des Theaters in unserer Gesellschaft – und ich glaube auch daran.

    Vielen Dank, Herr Peters und Toi toi toi für die nächsten Wochen und Ihre Zeit in Münster.


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    Münchner Open Air Sommer

    März 14th, 2012

    Vierzehn Konzerte, Fünf Spielstätten, ein Sommer

    Seit nun mehr zehn Jahren verbinden sich Kulturgipfel Konzerte mit Orten, die Geschichten erzählen. Bei etablierten Münchner Konzertreihen wie den Nymphenburger Schlosskonzerten, schafft die besondere Atmosphäre der prachtvollen Schlösser in München und Dachau den perfekten Rahmen für ein unvergessliches Konzert-Erlebnis. Exquisite Dinner mit einer saisonal abgestimmten Menüfolge veredeln den Abend zum kulinarisch-musikalischen Highlight. Das Konzept, Meisterwerke der klassischen Musik in außergewöhnlicher Atmosphäre zu präsentieren, begeisterte in den vergangenen zehn Jahren knapp 2 Millionen Besucher in ganz Deutschland. Als besonderer Glanzpunkt der Jubiläumsspielzeit steht im Sommer 2012 der Münchner Open Air Sommer auf dem Spielplan. Zauberhafte Klänge verzaubern an fünf Spielstätten in München und Umgebung in lauen Sommernächten mit einem hochkarätigen und abwechslungsreichen Programm – Dieser Magie kann sich niemand entziehen!

    Im Herzen Münchens erwartet das Publikum mit Carl Orffs Meisterwerk Carmina Burana einer der ganz großen Meilensteinen der Musikgeschichte. Das Meisterwerk wird am 15. August die Menschen mit seiner opulenten Musik und ausdrucksstarken Texten im Brunnenhof der Residenz in seinen Bann ziehen. Aber auch Fans von Rock und Pop kommen auf ihre Kosten, wenn bei der ABBA-Night alle Hits aus der Glanzzeit der Kultband erklingen oder beim Crossover-Spektakel Klassik meets Rock Kaybee und John Cashmore mit den größten Hits der Rockgeschichte und den beliebtesten Melodien der Klassik die Bühne rocken. In Dachau kann sich das Publikum beim Open-Air Konzert Die Nacht der Tenöre im Rahmen des Dachauer Musiksommers von tollen Stimmen und große Arien mit Gänsehauteffekt verzaubern lassen. Barockfans sollten das Open-Air in Schleißheim schon mal rot im Kalender anstreichen: Vor der stimmungsvoll beleuchteten Fassade des Neuen Schlosses Schleißheim verwandelt sich der Schlosspark mit Wasserspielen und Feuerwerk zu ausgewählten Suiten aus Händels Wassermusik und Feuermusik in einen Schauplatz barocker Lebensfreude.

    Italienfans lockt im August schließlich eine neue Inszenierung der Notte Veneziana als Open Air Event in den prachtvollen Innenhof des Nymphenburger Schlosses. Hier erwartet die Besucher durch die Verbindung von Musik und Literatur ein neues, spannendes Hörerlebnis. Und auch im Westpark heißt es dieses Jahr zum neunten Mal Viva Italia! Belcanto und italienisches Catering verleihen dem Halb-Amphitheater und der Seebühne im Westpark mediterranes Flair.

    Lassen Sie sich verzaubern vom durch dieses ganz besondere Sommererlebnis!

    Hier nochmal alle Konzerte mit allen Daten:

    Brunnenhof Open Air im Brunnenhof der Residenz:

    Schloss Open Air in Nymphenburg:

    Schlosspark Open Air auf Schloss Schleißheim:

    Open Air auf der Seebühne im Westpark:

    Schlossplatz Open Air in Dachau:

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    Happy Birthday, Nabucco!

    März 9th, 2012

    Giuseppe Verdi gehört ohne Zweifel zu den poulärsten Opernkomponisten überhaupt. Die Rigoletto-Arie “La donna è mobile” wurde längst zum geflügelten Wort und der Gefangenenchor “Va Pensiero” aus Verdis Oper „Nabucco“ avancierte bereits zu Lebzeiten des Komponisten zur heimlichen Nationalhymne Italiens. „Nabucco“ feierte seine Premiere am 9. März 1842 an der Mailänder Scala – heute vor 170 Jahren!

    Guiseppe Verdi
    Guiseppe Verdi

    Die Oper in vier Akten wurde als letztes Werk der Spielzeit 1841/42 aufgeführt und war so erfolgreich, dass sie in der nächsten Spielzeit noch knapp 60 Mal wiederholt wurde. Verdi war zur Entstehungszeit des Werkes noch nicht einmal dreißig Jahre alt und doch enthält die Musik bereits die kraftvoll geführten, klanglichen Linien des reifenden Musikgenies. Selbst Gaetano Donizetti soll nach der Uraufführung gesagt haben: „Oh, dieser Nabucco! Schön! Schön! Schön!“ Mittlerweile ist die Oper um den Babylonierkönig seit Jahrzehnten aus dem Repertoire der großen Opernhäuser und Open-Air-Aufführungen nicht mehr wegzudenken, und wird heute noch genauso begeistert aufgenommen wie vom Premierenpublikum.

    Viva Verdi!
    “Nabucco” machte den jungen Verdi übrigens nicht nur zum neuen Stern am Opernhimmel sondern sollte ihm auch privat Glück bringen: Die Primadonna Giuseppina Strepponi, die schon in der Uraufführung von “Nabucco” gesungen hatte, heiratete er im Jahr 1859.

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    Alle Jahre wieder: Stille Nacht, heilige Nacht

    Dezember 21st, 2011

    “Ihr Kinderlein kommet”, “O du fröhliche, o du selige”, “Oh Tannenbaum”…

    Ach ja, die Weihnachtslieder! Fast das ganze Jahr schlummern die Bücher mit den weihnachtlichen Melodien und Texten im Schrank und auch die Weihnachts-CDs verstauben in den Regalen… doch kaum nähert sich der erste Advent, werden genau die Musiktitel heraus gekramt und bis zum Heiligen Abend rauf und runter gespielt. Im Klavierunterricht tauscht man die Fingerübungen gegen die Noten von „O Du fröhliche“ ein und dann wird geübt was das Zeug hält. In einigen Familien ist es Brauch, vor der Bescherung gemeinsam ein paar Weihnachtslieder zu singen und wer ein Instrument beherrscht, der haut in die Tasten oder flötet dazu. Viele Menschen singen auch gemeinsam in der Kirche, um sich auf den Heiligen Abend vorzubereiten. In den meisten Kirchen wird am Ende der Christmette die Beleuchtung herunter gedimmt und nur die Kerzen der Weihnachtsbäume leuchten. Richtig andächtig und feierlich wird es, kurz bevor alle nach Hause zur Bescherung eilen. Und dann erklingen die ersten Akkorde der Orgel und es wird das Weihnachtslied schlechthin angestimmt: “Stille Nacht, Heilige Nacht”.

    aboutpixel.de / Stille Nacht.... © HB1111
    aboutpixel.de / Stille Nacht…. © HB1111

    Gedicht trifft Organist

    Den Text von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ hat im Jahr 1816 ein gewisser Joseph Mohr geschrieben. Er stammte aus einem kleinen Dorf im Salzburger Land und war Pfarrer. Eigentlich wollte er nur ein Gedicht zu Papier bringen. Doch der Zufall wollte es anders: Joseph Mohr wurde ins Nachbardorf versetzt und lernte dort den Dorflehrer Franz Gruber kennen, der in der Kirche auch die Orgel spielte. Im Jahr 1818 schenke der Pfarrer Mohr sein Gedicht Franz Gruber und der komponierte zu dem Text eine kleine Melodie für Chor und 2 Solo-Sänger. Und weil die Orgel schon ein bisschen alt und kaputt war und die Orgelpfeifen manchmal ziemlich merkwürdige Laute von sich gaben, wurde in der Christmette deswegen “Stille Nacht, Heilige Nacht” angestimmt. Ohne die quietschende Orgel. Begleitet wurde der Chor nur von einer Gitarre. Später wurde das wurde das Lied dann immer bekannter und tauchte im Jahr 1866 erstmals im Salzburger Kirchenliederbuch auf. Christliche Missionare überlieferten das Lied in alle Kontinente und bis heute wurde das Lied in über 300 Sprachen übersetzt. Die St. Nikolaus Kirche in Oberndorf bei Salzburg, wo das Weihnachtslied zum ersten Mal gesungen wurde, wird noch heute von vielen Menschen besucht.

    Kommissar Zufall…

    Gerade bei den erfolgreichsten Weihnachtslieder scheint wirklich der Zufall seine Hand im Spiel zu haben. Auch bei einem sehr bekannten, modernen Weihnachtssong ist es so: „Last Christmas“ der englischen Popband Wham! Sollte eigentlich „last easter“ also „letzt Ostern“ heißen und ein Frühlingslied werden. Tja, mit einem dreiviertel Jahr Verspätung wurde dann eben “last Christmas” draus – und wer weiß, ob die Osterversion so ein Hit geworden wäre…

    Na dann: “Stille Nacht Heilige Nacht…” äääh wie geht’s weiter? Wer hier schon einen Texthänger hat, kriegt einen kleinen Tipp von uns: auf der Internetseite www.blinde-kuh.de gibt’s die Texte von vielen vielen Weihnachtsliedern aus Deutschland und der ganzen Welt. Gewünschtes Lied aussuchen, ausdrucken und vor der Bescherung an die gesamte Familie verteilen. Sicher ist sicher. “Stille Nacht Heilige Nacht” hat in der Originalfassung nämlich sechs Strophen. Aber Achtung: Für schräge Töne übernehmen wir keine Verantwortung!

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